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Zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Neuenhaßlau-Gondsroth

Stand Oktober 2018

"Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt".

Dankbar grüßen wir mit diesem Bibelwort die Gotteshäuser in unseren  Ortsteilen.  Niedermittlau, Neuenhaßlau und Gondsroth bildeten jahrhundertelang – teils mit weiteren Dörfern – das Kirchspiel Niedermittlau. Diese historische Gemeinschaft wirkte in die staatliche Gebietsreform hinein: Die drei Dörfer fanden sich zur Großgemeinde Hasselroth zusammen. Sie entstand 1971 zunächst durch Zusammenschluss von Neuenhaßlau und Gondsroth; 1974 schloß sich Niedermittlau an. Zum 1. Januar 1965 war das Kirchspiel Niedermittlau aufgelöst worden. Die drei Kirchengemeinden wurden verselbständigt; Gondsroth war – in der Terminologie des Kirchenrechts – „Filial“ von Neuenhaßlau geworden. Diese beiden Kirchengemeinden wurden zum 1. Januar 2008 vereinigt.

Von Kirche und Kirchspiel Niedermittlau

Das älteste der Hasselrother Gotteshäuser ist die Laurentiuskirche in Niedermittlau. Ihr romanischer Turm war lange Zeit auf etwa 950 v. Chr. datiert worden. Neuere Forschungen haben mittels Dendrochronologie, also durch Untersuchung der beim Bau verwendeten Hölzer, sowie auf Grund weiterer Indizien seine Entstehungszeit auf etwa 1030 bestimmt. Auch damit ist der Turm – möglicherweise einst ein Wehrturm – noch immer eines der ältesten Bauwerke im Main-Kinzig-Kreis. Merkwürdig und rätselhaft sind eine steinerne Kriegermaske und ein Löwenrelief, die schwer sichtbar den oberen Teil der Turmwand zieren. Das spätbarocke Kirchenschiff wurde 1780 auf den Fundamenten mindestens zweier kleinerer Vorgängerbauten errichtet.
Das Pfarrhaus stammt von 1901. Es wurde im Jahre 2014 umfangreich saniert. Drei Glocken wurden 1949 neu angeschafft, eine vierte ist aus vorreformatorischer Zeit überkommen. Die Ratzmann-Orgel datiert von 1855. 1972 fand eine umfangreiche Renovierung und Umgestaltung der Kirche statt, bei der u. a. der sog. Grafenstuhl, der laubenartige Kirchenstuhl der Grafen Ysenburg, abgebaut wurde. Zuletzt wurde der Innenraum der Kirche im Herbst 2000 renoviert. Von April bis Dezember 2014 wurde das Kirchendach erneuert. Es wurde mit naturroten Biberschwänzen eingedeckt, und das Tragwerk des Dachs wurde aufwendig neu bewehrt. In einem Gottesdienst am 21. Dezember 2014 wurde die Kirche wiedereröffnet. Nach Pfingsten 2017 folgte die Sanierung der Decke, des Emporengeländers und der Türen. Im Gottesdienst zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017 konnte die Gemeinde ihr Gotteshaus wieder in Besitz nehmen. Zur Deckung der erheblichen Kosten aller Baumaßnahmen trug der engagierte „Förderkreis zur Erhaltung der Laurentiuskirche in Niedermittlau“ mehr als 130.000 € bei.

Niedermittlau war von alters her der geistliche Mittelpunkt unserer Region.  Die Dörfer Meerholz, Hailer, Neuenhaßlau, Gondsroth sowie das 1236 erstmals erwähnte Laubersbach waren ihm wohl schon im 14. Jahrhundert als Kirchspiel, also als kirchlicher Verband unter einer „Mutterkirche“, zugeordnet. Um 1525 erreichte die Reformation unsere Dörfer. Als erster evangelischer Pfarrer in Niedermittlau wird Philipp Wohlgemut genannt. Die Kirchspielorte bildeten ab 1578 das ysenburgische Gericht Meerholz. Das Kirchspiel verkleinerte sich zuerst durch den Untergang Laubersbachs nach 1536 und alsdann durch die Ausgliederung von Meerholz und Hailer im Jahre 1744. 1964, nach Einweihung einer evangelischen Kirche in Somborn, schieden auch die kleinen evangelischen Diasporagemeinden des Freigerichts aus der Niedermittlauer Betreuung aus. Mit der Errichtung der selbständigen Kirchengemeinden Neuenhaßlau und Gondsroth zum 1. Januar 1965 fand schließlich die jahrhundertealte Tradition des Kirchspiels ihr Ende. 

Die Kirchengemeinde Neuenhaßlau-Gondsroth

 
Letzter Pfarrer des Kirchspiels Niedermittlau war Dr. Richard Kuhn gewesen. Roland Hammann hatte ihm bereits ab 15. März 1960 als Vikar zur Seite gestanden und die Dörfer Neuenhaßlau und Gondsroth betreut. Er diente den Kirchengemeinden Neuenhaßlau und Gondsroth bis zu seiner Pensionierung im Sommer 1992 als erster Pfarrer. Ihm folgte ab Mai 1993 die Pfarrerin Anne Vilmar, die ab Mai 1995 ihre Stelle mit ihrem Ehemann, Pfarrer Andreas Herrmann, teilte. Sie schieden mit einem feierlichen Gottesdienst am 12. September 1999 aus, um (im Jahre 2000) einen Dienst in Nigeria anzutreten. Seit dem 1. November 1999 waren, wiederum je mit halber Stelle, Pfarrerin Bettina von Haugwitz und ihr Ehemann, Pfarrer Ulrich Briesewitz, in unserer Gemeinde tätig. Sie wurden in einem festlichen Gottesdienst am Sonntag, dem 3. März 2002, von Dekan Happel eingeführt. Pfarrerin von Haugwitz, seit Frühjahr 2016 Vakanzvertreterin in Niedermittlau, übernahm ab 1. August 2016 die dortige Pfarrstelle. Sie wurde im Erntedank-Gottesdienst am 2. Oktober 2016 in der Christuskirche verabschiedet. Pfarrer Briesewitz übernahm ihre halbe Stelle. Er scheidet mit Ablauf des Monats Oktober 2018 aus und wechselt in die Pfarrstelle für Polizei- und Notfallseelsorge im Main-Kinzig-Kreis mit Sitz in Gelnhausen. Die Pfarrstelle in Neuenhaßlau wird ausgeschrieben. Das Pfarrer-Ehepaar von Haugwitz/Briesewitz ist nach Bernbach verzogen.

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Das Pfarramt hat seinen Sitz im Ortsteil Neuenhaßlau. Von hier aus wird also die Verwaltung der kirchlichen Dienste und Geschäfte geführt. Gottesdienste werden – teils im Wechsel – in beiden Orten gehalten. Beide Gemeindeteile verfügen neben ihrer Kirche über ein Gemeindehaus, das jeweils Zentrum vieler, nicht nur kirchlicher, Aktivitäten ist. Das Johannes-Heermann-Heim in Neuenhaßlau beherbergt seit 1994 eine Kinder- und Jugendbücherei, die sich großen Zuspruchs erfreut. Die engagierte Arbeit des von Karin Richter geleiteten Bücherei-Teams erfuhr im Oktober 2011 eine verdiente Würdigung: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen verlieh ihm den Förderpreis für ehrenamtlich geführte Büchereien in Hessen.
In 2014 feierte die Bücherei ihr zwanzigjähriges Jubiläum und konnte die 1000. Leserkarte ausgeben. Ihre Bestände belaufen sich derzeit auf rd. 3.500 Bücher und 900 digitale Medien. Das Gondsrother Gemeindeheim ist vermietet.

 
Im folgenden soll über die Kirchen in beiden Ortsteilen berichtet und abschließend eine statistische Übersicht über die Kirchengemeinde mitgeteilt werden.

 

Die Gondsrother Kirche

Kirche Gondsroth

In einer (allerdings gefälschten) Urkunde von 1151, alsdann in einem Dokument von 1234 wurde eine Kapelle in Gondsroth erwähnt. Die Ritter Hertwig, Conrad und Simon von Gondsroth stifteten Land und Fruchtabgaben zur Unterhaltung einer Kaplanstelle für diese Kapelle. Dass sie im Besitz des Klosters Selbold stand, bezeugt eine weitere Urkunde von 1238. Rainer Peschelt, der sich um die Erforschung der Kirchen von Niedermittlau und Gondsroth verdient gemacht hat, hält für möglich, dass die Gondsrother Kirche dem Heiligen Kilian geweiht war. Das heutige Gotteshaus hat seine Form im wesentlichen im Jahre 1717 gefunden. Der Turm hingegen – auch dies wissen wir aus dendrochronologischen Untersuchungen – wurde bereits 1469 vollendet.
Sein Dachstuhl mußte 1994 erneuert, der einem Sturm zum Opfer gefallene Wetterhahn ersetzt werden. Renovierungsarbeiten im Kircheninneren und im Gemeindeheim sowie die Neugestaltung des Kirchgartens schlossen sich an. Im Februar 1995 wurde die Fertigstellung mit einem Festgottesdienst gefeiert. Eine neue Kirchentür ersetzte im Juni 1996 ihre etwa 300 Jahre alte Vorgängerin. Größere Renovierungen und Umbauten im Kircheninneren hatten bereits 1659, 1717 und 1954 stattgefunden.

Zu Pfingsten 2005 konnte die Neugestaltung des Eingangsbereichs der Kirche und die Aufstellung eines Kunstwerks im Kirchgarten gefeiert werden. Das alte Uhrwerk, das über 100 Jahre lang die Kirchturmuhr bewegt hatte, war von dem Künstler Matthias Kraus (www.krauskunst.de) zu einem Stück Kunst gestaltet worden. „Zeit“ ist das Schlüsselwort, auf das der Betrachter assoziieren darf: In aller Hektik sich Zeit nehmen – für sich und für andere – nachdenken – zur Ruhe kommen – erkennen, welches Ding jetzt „seine Zeit hat“.

 

Langgehegte Pläne zur Renovierung der Gondsrother Kirche konkretisierten sich im Laufe des Jahres 2010. Mit dem Ingenieurbüro Frischmuth (Gelnhausen-Hailer) wurde ein Drei-Stufen-Plan entwickelt: Bekämpfung des Holzwurms im Mobiliar, Einbau einer neuen Heizungsanlage, Neuanstrich des Innenraums. Im weiteren Verlauf des Vorhabens wurde indessen festgestellt, daß auch das Dachgebälk des Kirchenschiffs wegen Feuchtigkeit und Pilzbefalls schadhaft war. Die gebotene Sanierung würde die bisher auf 200.000 € geschätzten Kosten verdoppeln. Daraufhin wurde ein Förderkreis gebildet, der in der Folge mit vielerlei Aktivitäten entscheidend zur Finanzierung des Vorhabens beitrug.

Bevor Anfang Mai 2013 die Bauarbeiten begannen, mußte der größte Teil der Orgel abgebaut werden. Die Pfeifen wurden bei dem Orgelbauer Michael Stumpf in Bad Kissingen überholt, die übrigen Teile am Ort eingelagert. Die dann begonnene Sanierung des Dachstuhls erwies sich als erheblich anspruchsvoller denn erwartet. Da nicht die gesamte Eichenholzkonstruktion gegen eine neue ausgetauscht wurde, mußte eine Vielzahl einzelner Bauteile durch neue ersetzt bzw. wieder richtig in ihre Verankerung eingefügt werden – ein Puzzlespiel. Am Kirchendachrand waren die Profile zu erneuern. Diese schwierigen und aufwendigen Arbeiten lagen in der Hand der Fachfirma Huke aus Sondershausen in Thüringen. Das Dach wurde schließlich wieder mit Biberschwanz-Ziegeln eingedeckt. Gegen Ende des Jahres 2013 waren diese Arbeiten abgeschlossen.
Der zweite Bauabschnitt, die Innenrenovierung, begann im Februar 2014 mit dem Ausräumen der Kirche. Ende Mai wurden, wiederum mit zupackender Hilfe von Freiwilligen, die Bodenplatten und der alte Beton losgeschlagen; 10 Kubikmeter Schutt waren zu entsorgen. In der Folge waren eine neue Bodenplatte zu gießen, die neue Elektroheizung zu verlegen, neue Elektroleitungen unter Putz zu bringen und ein Beleuchtungskonzept zu entwickeln. Die künftige Altargestaltung war Gegenstand vieler Beratungen, schließlich in einer eigens hierfür gebildeten Projektgruppe. Nach Abschluß der umfangreichen Putzarbeiten und Verlegung des Sandsteinfußbodens konnten die Gemeindeglieder am 7./8. März 2015 schon mal einen Blick in ihr „runderneuertes“ Gotteshaus werfen. Schließlich nahm die glückliche Gemeinde ihre Kirche im Rahmen des Sommerfestes am 5. Juli 2015 wieder in Besitz.

„Glocken brechen den Donner und verscheuchen das lange Unwetter“ (Jacob Grimm). Die vier Gondsrother Glocken stammen von 1520, 1949 bzw. (zwei) 1968. Das Geläut erklingt in den Tönen e, cis, h, gis. Die älteste Glocke, St. Anna – Feuer- und Sturmglocke, trägt die Inschrift „Peter Gereyszen gosz mich 1520. Es fliehe der Blitz und die Kälte des Winters, das Unwetter schweige und selbst der rasende Wind“. Die zweite Glocke, 1949 gegossen, ist beschriftet: „O Land, Land, höre des Herren Wort“. Die beiden neuen Glocken wurden 1968 in der Glockengießerei Rincker in Sinn (Dillkreis) gegossen. Die kleinere hat die Inschrift „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“, die größere „Dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat“. Das Geläut wurde am Pfingstmontag, dem 3. Juni 1968, eingeweiht.

2001 beteiligte sich die Kirchengemeinde engagiert an den Feierlichkeiten zum 850jährigen Jubiläum von Gondsroth. Ein auf dem Kirchhof aufgestellter Gedenkstein aus heimischem Sandstein erinnert an das Jubelfest.

Das 1965/66 errichtete, 1984 mit einer neuen Heizung ausgestattete Gemeindeheim war 1999/2000 mit dem Ziel multifunktioneller Nutzbarkeit umfangreich umgebaut und modernisiert worden. Anfang August 2013 eröffnete darin der Malteser Hilfsdienst mit dem „Café Malta“ einen Treffpunkt für Demenzkranke. Jeden Donnerstagnachmittag wurde von einem besonders geschulten Team Betreuung der Kranken mit Kaffeetafel und gemeinsamen Aktivitäten angeboten. Im Herbst 2015 verlegten die Malteser ihr Betreuungsangebot in die Niedermittlauer Bürgerbegegnungsstätte (Alte Schule). Das Gemeindehaus wurde an die politische Gemeinde vermietet und nach Umbaumaßnahmen zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.

Im Jahre 2005 wurde die historische staatliche Kirchenbaulast für die Gondsrother Kirche durch eine Einmalzahlung abgelöst.

Bis zur Einrichtung eines eigenen Friedhofs in Neuenhaßlau im Jahre 1854 wurden die Toten aus Neuenhaßlau auf dem Gondsrother Friedhof bestattet. Über den Hasselbach führte der „Totensteg“, den die Sargträger auf dem Weg nach Gondsroth passieren mußten.

Gotteshäuser in Neuenhaßlau

Eine Urkunde von 1343 berichtet, dass der Ritter Rudolf von Rückingen und seine Frau Metze eine Kapelle in Neuenhaßlau stifteten und ihr Einkünfte und Güter für ihre Unterhaltung widmeten. Das Gotteshaus stand im Bereich der heutigen Einmündung der Hauptstraße in die Hanauer Landstraße, also nicht weit von dem Platz, an dem sich heute unsere Christuskirche erhebt. Die spätere Flurbezeichnung „Kirchenwiesen“ rührt von jener Kapelle. Den Kirchendienst sollte der Kaplan von Gondsroth mitversehen. Soweit wir wissen, hat Neuenhaßlau niemals einen eigenen Geistlichen gehabt.

Die Kapelle scheint bis etwa Mitte des 16. Jahrhunderts in Gebrauch gewesen zu sein, dann verfiel sie offenbar aus Mangel an Mitteln. Restliche Bauteile wurden um 1900 als Teil eines Bauernhauses entdeckt und nach 1910 abgebrochen. Der Altarstein, anfangs des 20. Jahrhunderts als Treppenstufe eines anderen Bauernhauses verwendet, erhielt 1997 seine alte Funktion zurück: als Altar im Foyer der Christuskirche.

Das leitet über zur neueren Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerten sich unsere Dörfer infolge des Zuzugs von Vertriebenen und Flüchtlingen. Der relativ weite Kirchweg nach Niedermittlau oder auch nach Gondsroth erschien beschwerlich. So entstand der Wunsch nach einem Gotteshaus in Neuenhaßlau. Am Erntedankfest 1949 konnte eine Notkirche geweiht werden. Sie bestand aus einer Baracke auf einem Steinsockel und verfügte über ein Harmonium für die Kirchenmusik. Jeden zweiten Sonntag wurde Gottesdienst, jeden Sonntag Kindergottesdienst gehalten. Eine Zeitlang nutzten auch die katholischen Christen Neuenhaßlaus das Kirchlein für ihre Gottesdienste, bis sie 1956 eine eigene Kirche am Ort erbauten.

Notkirche außen Notkirche innen

Bald erwies sich das Provisorium Notkirche als zu klein. 1958 hatte Neuenhaßlau 2160 Einwohner, fast so viele wie das gesamte Kirchspiel Niedermittlau im Jahre 1914 (2190). 878 waren Neubürger, unter ihnen zahlreiche Ungarndeutsche, die als treue Kirchgänger der Gemeinde ihr besonderes Gepräge gaben.

Christuskirche

Im März 1958 wurde nach den Plänen des Architekten Georg Reuther aus Hailer neben der Notkirche mit dem Bau der Christuskirche begonnen. Die Grundsteinlegung fand am Sonntag Quasimodogeniti, dem 13. April 1958, statt. Am 4. Advent, dem 21. Dezember 1958, konnte das Gotteshaus durch Probst Wibbeling aus Langendiebach geweiht werden. Dekan Maue (Gelnhausen) rief die evangelischen Kirchengemeinden des Altkreises Gelnhausen zu Spenden für die Altargeräte der neuen Kirche auf.

Schon 1959 bekam das neue Gotteshaus Glocken. Das Geläut ist auf die Töne e, g, h, d gestimmt. Die alte Glocke wurde 1777 von einem Windecker Meister gegossen und hing ehemals im Türmchen des alten Schulhauses. Sie trägt die Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“ und kündigt die Gottesdienste an. Die anderen Glocken wurden 1959 in der Glockengießerei Rincker gegossen. Die Christusglocke, beschriftet „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“, läutet zu Vaterunser, Abendmahl und Einsegnung von Brautpaaren. Die Sterbeglocke trägt das Wort „Ich lebe und ihr sollt auch leben“. Die Betglocke erklingt zum Zeitläuten; ihr ist das Wort mitgegeben „Wachet und betet. Der Herr ist nahe“. Das gesamte Geläut war erstmals zum Gottesdienst am 4. Advent (20. Dezember) 1959 zu hören.

1961 konnte ein Pfarrhaus, 1967 schließlich das Gemeindehaus in Betrieb genommen werden. Es erhielt später den Namen Johannes-Heermann-Heim nach dem langjährigen Neuenhaßlauer Schulleiter und Kantor, der jahrzehntelang als Organist in Niedermittlau tätig gewesen war. Im Jahre 1961 bekam die Kirche auch eine Orgel. Das 12-registrige Instrument wurde von der Firma Steinmeyer im bayerischen Oettingen gebaut.

Orgel

johannes heermann heim

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Johannes-Heermann-Heim wurde 1996 umgebaut und renoviert. Unter Leitung von Architekt Otto Hestermann (Gondsroth) wurde es geräumiger, heller und einladender gestaltet. Das Schmuckstück konnte am 27.10.1996 feierlich eingeweiht werden. Im Jahre 2016 fand die Neuenhaßlauer Krabbelgruppe hier einen passenden Raum.

 Im Jahre 1997 wurde die Christuskirche umfassend renoviert. Bestuhlung und Heizungsanlage wurden erneuert, die Fenster vergrößert. Die Einweihung dand am 1. Adventssonntag, dem 30. November, des Jahres 1997 statt. Neue, von dem Künstler Tobias Kammerer aus Rottweil gestaltete Glasfenster konnten sukzessive aus Spenden angeschafft werden. Am Ostermontag, dem 1. April, des Jahres 2002 wurde der Gemeinde das "Gesamtkunstwerk" in einem Gottesdienst vorgestellt.

Im Frühling 2008 wurde auf dem Kirchendach eine Photovoltaikanlage installiert. Sie wandelt das Sonnenlicht in elektrischen Strom um und speist ihn ins Netz ein. Der Erlös wird, nach Ablösung des Darlehens im Jahr 2019, der Kirchengemeinde Einnahmen bescheren.

Am 4. Advent - dem 21. Dezember - des Jahres 2008 feierte die Gemeinde den 50. Jahrestag der Kircheneinweihung. Zu ihrem Ehrentag beschenkte sie sich mit einer reich bebilderten Festschirft, zu der u.a. alle Pfarrerinnen und Pfarrer der Christuskirche beigetragen haben. Der bunte Reigen der Jubiläumsveranstaltungen fand seinen Abschluss mit dem Gemeindefest vom 3. bis 5. Juli 2009.

Am 7. Februar 2010 wurde erstmals ein Tauferinnerungs-Gottesdienst gefeiert. Er versammelte die in den letzten zwei Jahren Getauften und ihre Angehörigen um den zugleich eingeweihten Taufbaum. Das ist ein aus Holz gestalteter Baum mit einer grünen Blätterkrone und roten Äpfelchen, die die Bilder Täuflinge tragen. Und das Schönste: Täuflingseltern haben den Baum selbst bemalt und ihm so seine unverwechselbare Gestaltung geschenkt. Tauferinnerungs-Gottesdienste sollen auch künftig jährlich stattfinden.

Im Frühjahr 2013 erstellte die Gelnhäuser Gartenbaufirma „Mein Garten“ ein Konzept für die Neugestaltung des Kirchgartens. In der Folge wurden die Pläne mit Hilfe von Gemeindegliedern umgesetzt: Es wurden Pflanzen und Stauden geschenkt und am Samstag vor Pfingsten in fröhlicher Runde in die Erde gebracht. Sand- und Feldsteine bilden Begrenzung und reizvollen Kontrast. Aus einem der neuen Beete sollen künftig Blumen für den Altarschmuck sprießen. Für fröhliches Spielen und für die Gemeindefeste bleibt reichlich Platz.

Von Finanzen und Organisation

Seit langem kennen wir die Parole von Bund, Ländern und Gemeinden: Es muß gespart werden! Bei den Kirchen ist es nicht anders. Die kirchliche Arbeit vor Ort wird im Wesentlichen von unserer Landeskirche finanziert. Sie besoldet die Pfarrerinnen und Pfarrer und weist die Mittel für weiteres Personal, Bau, Verwaltung und vieles andere zu. Diese Zuweisungen haben sich seit Jahren verringert. Steigende Kosten stehen rückläufigen Gemeindegliederzahlen gegenüber. Was also tun? Grundsätzlich kann man entweder Aufgaben abbauen oder Kosten senken. Diese Weichenstellung beschäftigt unsere Kirche auf allen Ebenen.
Ein Beschluß des Rats der Landeskirche vom 13. März 2009 begrenzte die Zahl der Pfarrstellen je Kirchenkreis und ebnete den Weg für Fusionierungen. Demgemäß beschlossen die Kirchenkreise Gelnhausen und Schlüchtern ihre Verschmelzung zum Kirchenkreis Kinzigtal mit Wirkung vom 1. Januar 2020. Das Dekanat soll seinen Sitz in Gelnhausen, das Kirchenkreisamt in Schlüchtern haben.
Vor Ort begannen im Jahre 2010 die Kirchengemeinden Freigericht, Niedermittlau und Neuenhaßlau-Gondsroth, sich über die Zukunftsperspektiven auszutauschen. Dabei spielte die Erhaltung der Jugendarbeit eine besondere Rolle. Statt der zunächst erwogenen Fusion der Gemeinden haben sie zu einer Kooperation gefunden. Die Jugendarbeit wird seit Anfang 2012 durch einen Jugendbeirat gesteuert. Ihm gehören Vertreter/innen der drei Kirchengemeinden an. Die Stelle der Jugendreferentin wird gemeinsam finanziert.
Ende 2016 erließ die Landessynode ein Kirchengesetz über die Bildung von Kooperationsräumen. Daraufhin verabredeten die evangelischen Kirchengemeinden von Neuenhaßlau-Gondsroth, Niedermittlau, Freigericht und Meerholz-Hailer ihre künftige Zusammenarbeit. Ein am 5. Dezember 2017 in Neuenhaßlau geschlossener Vertrag besiegelte den neuen Kooperationsraum „Am Heiligenkopf“. Er hat rd. 8.800 Gemeindeglieder.

Es mag angemerkt werden, daß die Katholische Kirche im Bistum Fulda mit der Schaffung von „Pastoralverbünden“ eine ähnliche Konzentration der Gemeinden vorgenommen hat. Inzwischen bahnt sich dort die Rückkehr zu – nunmehr deutlich vergrößerten – Pfarreien an.

Ein Stück Kooperation im Kleinen war die Vereinigung der Informationsblätter der Kirchengemeinden Niedermittlau und Neuenhaßlau-Gondsroth. Das Niedermittlauer „Laurentiusblatt“ hatte einst die alten Kirchspielorte und das Freigericht abgedeckt, bis Pfarrer Hammann für Neuenhaßlau ein eigenes Blatt, „Kirche im Dorf“, begründete. Dessen letzte Ausgabe erschien zum September 2016. Seit Dezember 2016 informiert, ebenfalls in vier Ausgaben pro Jahr, „Evangelisch in Hasselroth“ über das kirchliche Leben in beiden Hasselrother Gemeinden. Seit Ende 2016 gibt es im übrigen über www.evangelisch-in-hasselroth.de einen gemeinsamen Zugang zu den Homepages der beiden Kirchengemeinden.

 

Drinnen und draußen

Unsere Kirchengemeinde unterhält herzliche Beziehungen zu ihrer Partnergemeinde in Reinsdorf bei Artern (Thüringen). Die Partnerschaft – nun schon über 50 Jahre – hat schwierige Zeiten überdauert. Die Gemeinde Salatiga in Indonesien, mit der über 20 Jahre eine Partnerschaft gepflogen wurde, existiert leider nicht mehr.

Die katholischen Christen Hasselroths gehören organisatorisch zum Pastoralverbund St. Peter und Paul Freigericht-Hasselroth. Zu ihm besteht ein vertrauensvolles Verhältnis, das eine lebendige Ökumene vor Ort ermöglicht.    

Einmal jährlich werden Schlüsselzahlen des gemeindlichen Lebens bekanntgegeben, und zwar für die beiden letzten Berichtsjahre. Dies ist der letzte Stand:  

                                             2016                                   2017
                                Nhl.-Go.       Ndm.              Nhl.-Go.       Ndm.
Taufen                        17                5                      15               7
 Konfirmierte             13               17                     16              13
Trauungen                   4                 4                      1                4
Bestattungen             30              24                     42               17
Kircheneintritte           0                0                       6                0
Kirchenaustritte        22              17                      16              19 

 

 

Abschiede

Pfr. i. R. Roland Hammann verstarb am 5. Juni 2017 im Alter von 86 Jahren. Er wurde am 9. Juni 2017 auf dem Friedhof in Gelnhausen-Haitz beigesetzt.

Im Alter von 82 Jahren verstarb am 15. April 2018 Claus Hackemann, über 40 Jahre Organist der Kirchengemeinde. Er wurde am 26. April 2018 auf dem Friedhof in Neuenhaßlau bestattet.

 

„Im Fluge unsrer Zeiten“ vertrauen wir unsere Kirchengemeinde dem Ewigen an; er möge sie weiter gnädig führen. „Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende“ (Psalm 102, 28).

Im Oktober 2018                                     Dr. Helmut Weidemann

 

Wer sich über die Kirchengeschichte unserer Dörfer näher unterrichten möchte, kann das anhand der Quellen tun, die für die vorstehende Darstellung genutzt wurden.

Quellen zur Geschichte

Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde
Neuenhaßlau-Gondsroth
Pfarrerin Kerstin Reinold
Hasselbachstr. 9
63594 Hasselroth
Tel. 06055/2313

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